{"id":392,"date":"2015-02-25T14:03:12","date_gmt":"2015-02-25T12:03:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/?page_id=392"},"modified":"2020-10-04T20:28:49","modified_gmt":"2020-10-04T18:28:49","slug":"was-will-wortwerkwittenberg-3","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/ueberuns\/was-will-wortwerkwittenberg-3\/","title":{"rendered":"Was will WortWerkWittenberg?"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Wittenberger Tagung \u201edass man deutsch mit ihnen redet\u201c f\u00fchrte Prof. Walter Kr\u00e4mer mit den beiden Vorsitzenden von \u201eWortWerkWittenberg e.V.\u201c Gerhard Meiser und Hans-Joachim Solms das nachstehende Interview zu Motiven und Zielen unseres Vereins. Das Interview erschien in den vom Verein Deutsche Sprache herausgegebenen <a href=\"http:\/\/www.vds-ev.de\/sprachnachrichten\">&#8222;Sprachnachrichten&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Walter Kr\u00e4mer ist Professor f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universit\u00e4t Dortmund sowie Gr\u00fcnder und Vorsitzender des\u00a0 deutschen Sprachvereins (ca. 36.000 Mitglieder) \u201eVerein Deutsche Sprache\u201c. Daneben ist er Sprecher des Stiftungsvorstands der Stiftung Deutsche Sprache.<\/p>\n<p><i>1. Herr Meiser, Herr Solms, es gibt ja schon gef\u00fchlte sechs Dutzend Sprachvereine in Deutschland. Was war Ihr Motiv f\u00fcr die Begr\u00fcndung eines weiteren?<\/i><\/p>\n<p>Ganz einfach: Keine dieser Initiativen r\u00fcckt den Aspekt in den Vordergrund, der mit dem f\u00fcr die Geschichte der deutschen Sprache zentralen Ort Wittenberg verbunden ist. Die Nennung Wittenbergs schon im Vereinsnamen ist somit Programm. Wir wollen in Wittenberg eine Pr\u00e4sentation zur deutschen Sprache aufbauen, die deren Bedeutung f\u00fcr den Bestand und die Fortentwicklung unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. Diese Pr\u00e4sentation soll ein Ort werden, an dem sich die Menschen mit der deutschen Sprache und ihrer Geschichte auseinandersetzen, sie sollen diese Sprache einerseits als wichtigstes Symbol ihrer nationalkulturellen sowie verfassungspatriotischen Identit\u00e4t als auch als wichtigstes Medium der demokratischen Teilhabe erfahren.<\/p>\n<p><i>2. Sprache als wichtigstes Symbol der nationalkulturellen Identit\u00e4t als auch als wichtigstes Medium der Demokratie?<\/i><\/p>\n<p>Ja was denn sonst! Unsere Sprache erf\u00fcllt in unserer Gesellschaft (neben anderen) zwei wichtige Funktionen:<\/p>\n<p>Sie legt fest, wer dazugeh\u00f6rt \u2013 Deutsch ist (und das ist eigentlich seit Jahrhunderten so) in erster Linie, wer deutsch spricht, nicht, wer seine Abstammung \u00fcber Generationen auf \u201edeutsche Vorfahren\u201c zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und sie ist zweitens das entscheidende Instrument der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, der Willensbildung und Entscheidung. Schon aus diesem Grunde meinen wir, dass jede B\u00fcrgerin und jeder B\u00fcrger, der an unserer Demokratie teilhaben will, sich f\u00fcr den Umgang mit unserer Sprache interessieren sollte; deshalb meinen wir, dass besonders auch die Schule einen Bildungsauftrag hat, das Bewusstsein f\u00fcr die partizipatorische Funktion unserer Sprache f\u00fcr diese unsere Gesellschaft zu legen.<\/p>\n<p><i>3. Und was hat das mit Wittenberg zu tun?<\/i><\/p>\n<p>Wer war es denn anders als Luther, der mit seiner kongenialen Bibel\u00fcbersetzung wesentlich zur nationalen Identit\u00e4tsstiftung beigetragen hat? Der mit seinem volkssprachlichen Engagement die Grundlagen der radikal befreienden und auf Teilhabe des einzelnen Menschen zielenden Theologie lieferte? Von Luther ging eine weltgeschichtlich wirksam gewordene Bewegung aus, die wie keine zuvor in der europ\u00e4ischen Geschichte die Macht des gesprochenen und geschriebenen Wortes nutzte.<\/p>\n<p>4. <i>Also Luther als einziger Ausl\u00f6ser?<\/i><\/p>\n<p>Es gibt andere. Ein ganz unmittelbares und auch als Initialz\u00fcndung zu verstehendes Vorbild aber gab uns etwa Armenien. Dort sind die eigene Sprache (einschlie\u00dflich der Schrift!) und Literatur seit jeher Gegenstand einer tiefen Verehrung. Die mag sicherlich auf die vielf\u00e4ltigen Bedr\u00e4ngnisse zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, denen das armenische Volk in seiner Geschichte ausgesetzt war. Deutschland ist dies zum Gl\u00fcck erspart geblieben \u2013 aber auch f\u00fcr alle Deutschen ist ihre Sprache das Symbol, was sie \u00fcber alle Unterschiede der konfessionellen, regionalen oder ethnischen Herkunft hinweg miteinander verbindet. Wenn wir in diesem Zusammenhang von einer Initialz\u00fcndung sprechen, so war es tats\u00e4chlich das gemeinsame Erlebnis dieser gelebten Buchkultur Armeniens bei einem Besuch des armenischen Zentrums der Buchkultur, des sog. Matenadaran in Yerevan. Wir beide waren so beeindruckt von dem, was man dort erleben kann, dass uns vorschwebte, so etwas auch f\u00fcr unser Land m\u00f6glich machen zu wollen.<\/p>\n<p><i>5. Dass deutsche Sprachwissenschaftler sich aktiv f\u00fcr die deutsche Sprache einsetzen, ist ja eher die Ausnahme. Was sagen denn Ihre Kollegen dazu?<\/i><\/p>\n<p>Nun, wir denken, dass sich eigentlich alle deutschen Sprachwissenschaftler auch f\u00fcr die deutsche Sprache einsetzen, sie verfolgen dabei nur unterschiedliche und durchaus kontrovers diskutierte Ziele, die Formen des Engagements k\u00f6nnen auch sehr verschieden sein. Unsere bisherige Erfahrung ist jedenfalls ausnahmslos positiv, wir haben viel Zuspruch f\u00fcr unsere Idee erhalten.<\/p>\n<p><i>6. Wie stellen sich dem konkret ihre Arbeit f\u00fcr die St\u00e4rkung des Deutschen in Wirtschaft und Gesellschaft vor? Ist das \u00fcberhaupt eine Ihrer Intentionen?<\/i><\/p>\n<p>Sprachbewusstsein, wie wir es im Sinne haben, ist nicht denkbar ohne eine besondere emotionale Bindung zur Sprache der Gemeinschaft, der man angeh\u00f6rt, eine emotionale Bindung, die f\u00fcr manche durchaus auch eine Liebe sein kann. Diese wollen wir wecken, insbesondere bei j\u00fcngeren Menschen \u2013 etwa durch die Verbindung von Sprache und (Pop-) Musik, z.B. Deutsch-Rock, Deutsch-Rap usw.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Funktionieren unserer Gesellschaft ist es schlie\u00dflich unbedingt erforderlich, dass auch Menschen, deren Muttersprache nicht das Deutsche ist, einen (emotionalen) Kontakt zum Deutschen begr\u00fcnden. Auch dies ist ein \u2013 im Moment noch zeitlich fernerliegendes \u2013 Ziel von WWW.<\/p>\n<p><i>7. Kommt es Ihnen denn nicht auch so wie mir oft seltsam vor, dass vor allem private Initiativen sich der Deutsche Sprache annehmen (m\u00fcssen), und der Staat hier eher abwartend oder gleichg\u00fcltig daneben steht?<\/i><\/p>\n<p>Nein, es verwundert uns eigentlich nicht. Denn Sprache entzieht oder besser: sollte sich staatlicher Eingriffe entziehen (ein negatives Beispiel staatlicher Einflussnahme ist die letzte gro\u00dfe Rechtschreibreform). Gleichwohl sollten die demokratisch legitimierten Repr\u00e4sentationsorgane einer auf der Sprache Deutsch basierenden und funktionierenden Gesellschaft ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Sprache ganz im Sinne des funktionierenden Gemeinwesens und ganz im Sinne der kulturellen Identit\u00e4t einer gro\u00dfen Mehrheit der dieses Gemeinwesen bildenden Menschen auch gepflegt wird. Sehr ermutigende Ans\u00e4tze dazu sind u.a. durch die im letzten Jahr verabschiedete Entschlie\u00dfung des deutschen Bundestages gemacht.<\/p>\n<p><i>8. Herr Meiser, Sie sind &#8222;im Hauptberuf&#8220; Indogermanist. Was zeichnet eigentlich die indogermanischen Sprachen im Allgemeinen und die Germanischen Sprachen im Besonderen gegen\u00fcber anderen Sprachen aus?<\/i><\/p>\n<p>Keine andere Sprachfamilie ist gleichzeitig in solcher geographischen und kulturellen Verbreitung von Indien bis Island einerseits und zeitlicher Tiefe andererseits bezeugt: die \u00e4ltesten schriftlichen Zeugnisse indogermanischer Sprachen reichen bis in die erste H\u00e4lfte des 2. Jahrtausends v.Chr., mithilfe des gut etablierten Verfahrens der Rekonstruktion gelangen wir bis in die Mitte des 4. Jt. v. Chr. \u2013 bis an den Rand der Jungsteinzeit (\u201e\u00d6tzi-Zeit\u201c \u2013 aber \u00d6tzi sprach wohl eher keine indogermanische Sprache). Die Vielfalt der Sprachen und Texte beschert uns deshalb eine F\u00fclle von Einblicken \u2013 nicht nur in die Entwicklung der menschlichen Sprache, sondern auch (soweit sie sich in der Sprache niederschl\u00e4gt) in die Entwicklung der Vorstellungen des Menschen von sich und der ihn umgebenden Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Wittenberger Tagung \u201edass man deutsch mit ihnen redet\u201c f\u00fchrte Prof. Walter Kr\u00e4mer mit den beiden Vorsitzenden von \u201eWortWerkWittenberg e.V.\u201c Gerhard Meiser und Hans-Joachim Solms das nachstehende Interview zu Motiven und Zielen unseres Vereins. Das Interview erschien in den vom Verein Deutsche Sprache herausgegebenen &#8222;Sprachnachrichten&#8220;. Walter Kr\u00e4mer ist \u2026<\/p>\n<p class=\"continue-reading-button\"> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/ueberuns\/was-will-wortwerkwittenberg-3\/\">Mehr lesen?<i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-392","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/392","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=392"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/392\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":576,"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/392\/revisions\/576"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}