{"id":631,"date":"2020-12-01T16:52:30","date_gmt":"2020-12-01T15:52:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/?p=631"},"modified":"2020-12-01T16:54:30","modified_gmt":"2020-12-01T15:54:30","slug":"unfertige-gedanken-zum-gebrauch-von-typographischen-zeichen-in-der-geschlechtergerechten-sprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wortwerkwittenberg.de\/wordpress\/unfertige-gedanken-zum-gebrauch-von-typographischen-zeichen-in-der-geschlechtergerechten-sprache\/","title":{"rendered":"&#8222;Unfertige Gedanken&#8220; zum Gebrauch von typographischen Zeichen in der &#8222;geschlechtergerechten&#8220; Sprache"},"content":{"rendered":"\n<p>In den am 16.11.2018 beschlossenen &#8222;Empfehlungen zur geschlechtergerechten Schreibung&#8220; des Rats f\u00fcr deutsche Rechtschreibung ist zur Verwendung solcher Zeichen (u.&nbsp;a. des Gendersterns) aus meiner Sicht das Wesentliche gesagt; &#8222;Schreibenden&#8220; (man beachte den Gebrauch des Part. I in diesem Kontext) wird insbesondere nahegelegt, sich an den in den Empfehlungen genannten sechs Kriterien<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> zu orientieren und stets die unterschiedlichen Funktionen von Texten und die jeweiligen Zielgruppen im Auge zu behalten. Bei meiner derzeitigen Arbeit an einem Projekt zur Geschichte der Germanistik an der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg ist mir einmal mehr bewusst geworden, in welchem Ausma\u00df gerade auch die Orthographie des Deutschen dem Sprachwandel unterliegt. Speziell im Hinblick auf den Einsatz typographischer Zeichen wurde ich nachdenklich, als ich das <em>Verzeichniss <\/em>[sic]<em> der Vorlesungen welche an der Kaiser-Wilhelms-Universit\u00e4t Strassburg &#8230; gehalten werden <\/em>f\u00fcr das WS 1879\/80 durchsah und darin auf \u00e4ltere Spielarten der Verwendung des Apostrophs stie\u00df: Den &#8222;Herren Studirenden\u201c [sic] werden darin etwa Vorlesungen mit dem Titel &#8222;Einf\u00fchrung in&#8217;s Gotische&#8220; [hier als Elisionszeichen] und &#8222;Schiller&#8217;s Jugenddramen&#8220; angek\u00fcndigt &#8211; was heute manchem als &#8222;Deppen-Apostroph&#8220; ein Dorn im Auge ist (&#8222;Opa&#8217;s Lieblingsenkelin&#8220;), galt damals noch als v\u00f6llig korrekte Schreibung.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland gibt es bekanntlich keine gesetzliche Regelung f\u00fcr die Schreibweise unserer Sprache. In Frankreich ist die Rechtschreibung, die dort traditionell einen sehr hohen Stellenwert hat, dagegen vom Staat geregelt. Premierminister Philippe untersagte Ende 2017 die weitere Verwendung des sog. &#8222;point m\u00e9dian&#8220; (etwa: &#8218;Mittelpunkt&#8216;, z.\u00a0B. &#8222;tou.te.s&#8220;, &#8222;candidat.e.s&#8220;) in der Amtssprache; dar\u00fcber berichtete seinerzeit auch die deutsche Presse. In der Folgezeit wurde indessen deutlich, dass diese Anordnung, die alsbald auch an s\u00e4mtliche Hochschulen ging, viele universit\u00e4re Sprachnutzer mitnichten davon abhielt, von diesem typographischen Zeichen als Mittel der &#8222;\u00e9criture inclusive&#8220; (etwa: geschlechtergerechte Schreibung) auch weiterhin Gebrauch zu machen, weil sie es offensichtlich f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig hielten. Ebenso wenig scheint die systematische Verwendung des &#8218;Mittelpunkts&#8216; in manchen Zeitungen und Zeitschriften deren Leser zu st\u00f6ren. Und dass die Anordnung im \u00f6ffentlichen Dienst von vielen Schreibenden nicht befolgt wird, st\u00f6rt allem Anschein nach nicht einmal die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden. Ob sich dieser &#8222;point m\u00e9dian&#8220; nun langfristig im geschriebenen Franz\u00f6sischen h\u00e4lt oder aber wieder verschwindet, wird letztlich wohl der Sprachgebrauch entscheiden. Und was die typographischen Zeichen angeht, mit denen derzeit im Deutschen experimentiert wird &#8211; der von vielen besonders bek\u00e4mpfte Asterisk oder der Unterstrich, das Binnen-I und der Schr\u00e4gstrich &#8211; ist denn am Ende nicht auch bei uns der tats\u00e4chliche Sprachgebrauch ma\u00dfgeblich? \u00dcbrigens: Auch den Apostroph hat es in unserer Sprache nicht immer gegeben (er wurde vermutlich im 16. oder 17. Jahrhundert ins Deutsche eingef\u00fchrt) &#8230; <a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara Kaltz<\/strong> (Professeure \u00e9m\u00e9rite, Universit\u00e9 de Provence, Aix-en-Provence [AMU], Mitglied des WWW)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Siehe <a href=\"https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/DOX\/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf\">www.rechtschreibrat.com\/DOX\/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Ausf\u00fchrlich zur Geschichte des Apostrophs im Deutschen vgl. Michael Mann, \u201eDer Apostroph in der Diskussion. Ein Beitrag zur Debatte um ein umstrittenes Zeichen\u201c (2007); <a href=\"https:\/\/opus4.kobv.de...\/782\/Mann_Der_Apostroph_in_der_Diskussion\">https:\/\/opus4.kobv.de&#8230;\/782\/Mann_Der_Apostroph_in_der_Diskussion<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den am 16.11.2018 beschlossenen &#8222;Empfehlungen zur geschlechtergerechten Schreibung&#8220; des Rats f\u00fcr deutsche Rechtschreibung ist zur Verwendung solcher Zeichen (u.&nbsp;a. des Gendersterns) aus meiner Sicht das Wesentliche gesagt; &#8222;Schreibenden&#8220; (man beachte den Gebrauch des Part. 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