Redezeit

Vortragsreihe des Vereins WortWerkWittenberg e.V., des Instituts für deutsche Kultur e.V. und der Stiftung Leucorea.

Am Anfang ist die Sprache. Ohne sie gibt es kein Miteinander unter Menschen. Sie ist der Grundstoff unserer Demokratie ebensosehr wie der Spiegel unserer Kultur und unserer geschichtlichen Erfahrung.
In Zusammenarbeit mit der Stiftung LEUCOREA und dem Institut für deutsche Sprache und Kultur e.V. an der Martin­Luther-Universität Halle-Wittenberg lädt der Verein WortWerk Wittenberg e.V. dazu ein, in einer Reihe mit dem Titel Redezeit über unsere Sprache und wie sie unser alltägliches Leben bestimmt ins Gespräch zu kommen.
Im Anschluss an einen kurzen Vortrag ist dazu bei Getränken und kleinen Knabbereien Gelegenheit.

Redezeit am 06.10. 2025, 18.00 Uhr:

Referentin: Dr. Jessica Ammer:

Kiezdeutsch und Jugendsprache – Zwischen Sprachwandel und Stigmatisierung

Kiezdeutsch, oft als urbane Jugendsprache bekannt, bewegt sich zwischen
innovativem Sprachwandel und gesellschaftlicher Stigmatisierung. Diese
Sprachvarietät, die vor allem in multiethnischen Stadtvierteln gesprochen
wird, weist markante syntaktische, lexikalische und phonologische Merkmale
auf. Der Vortrag zeigt Kiezdeutsch als eine dynamische und kreative Form der
Sprachentwicklung, die gleichzeitig als Symbol sozialer Identität und
Abgrenzung dient. Mediale und öffentliche Debatten stellen Kiezdeutsch oft
als defizitär oder bedrohlich dar, was zur Abwertung jugendlicher Sprecher
führt. Anhand konkreter Beispiele aus der Sprachforschung wird verdeutlicht,
welche sprachlichen Innovationen in dieser Varietät stecken und welche
sozialen Mechanismen hinter ihrer negativen Bewertung stehen. Der Vortrag
lädt dazu ein, die Vielschichtigkeit von Kiezdeutsch und Jugendsprache
differenziert zu betrachten und darüber nachzudenken, ob Sprachwandel als Bereicherung statt als Bedrohung verstanden werden sollte.

Jessica Ammer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft. Sie studierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Latein, Deutsch und Griechisch. 2019 Promotion (summa cum laude) mit der Arbeit: „Von den Ampten – Ciceros ‚De Officiis‘ in der Rezeption des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“. Ihre Themengebiete reichen vom Althochdeutschen (Notker d. Deutsche) über das Mittelhochdeutsche (Mitarbeit an der Mittelhochdeutschen Grammatik) bis hin zu aktuellen Fragen der Linguistik (Mitautorin der Neuauflage des Metzler Lexikons Sprache).

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